
Ein armer Wandergeselle namens Lukas zog mit leichtem Gepäck, aber schwerem Herzen durch das Erzgebirge. Sein Weg führte ihn in den Ortsteil Fährbrücke. Dort, wo das Wasser der Mulde tief und reißend war, suchte er verzweifelt nach einer Brücke. Doch es gab keinen Steg, nur eine alte, morsche Fähre, die im grauen Wasser tanzte.
Am Ufer stand eine Gestalt, gehüllt in einen Umhang, so schwarz wie die Gewitternwolken, die am Horizont aufzogen. „Übersetzen kostet einen Silbertaler“, grollte der Fährmann. Lukas schluckte. Er besaß keinen einzigen Pfennig. Der Wind frischte auf, und die ersten Blitze zuckten über den Himmel. „Ich habe nichts“, gestand der Junge, „nur meine Wanderlust und diese Kieselsteine aus meiner Tasche.“
Der Fährmann schlug die Kapuze zurück. Zum Vorschein kamen zwei glühende Augen. „Kieselsteine sagst du? Neun weiße für dich, neun schwarze für mich. Wir spielen eine Runde auf dem Deck meiner Fähre. Wenn du gewinnst, bringe ich dich trocken ans andere Ufer. Wenn ich gewinne… gehört deine Seele auf ewig mir.“ Da das Unwetter losbrach, willigte Lukas in seiner Not ein.
Die Fähre legte ab und trieb genau in die Mitte des Flusses, wo die Strömung am stärksten war. Mit einer Kreide zeichnete der Teufel drei Quadrate ineinander auf das Holzdeck und verband sie mit Linien. „Das ist die Mühle“, zischte er. Sie begannen, ihre Steine zu setzen. Lukas spürte, wie das Holz unter seinen Füßen bebte, während der Teufel versuchte, seine schwarzen Kiesel in eine Reihe zu bringen.
Es stand schlecht für Lukas. Der Teufel lachte bereits siegessicher. Doch in dem Moment, als ein gewaltiger Donnerhall die Luft zerriss, erkannte Lukas seine Chance. Er schob seinen letzten weißen Kiesel genau zwischen zwei andere. „Mühle!“, rief er über den Sturm hinweg. Er nahm dem Teufel einen schwarzen Stein ab und zerstörte dessen Plan. Mit jedem weiteren Zug trieb er den Beelzebub in die Enge, bis dieser keinen Stein mehr rühren konnte.
Zähneknirschend vor Wut musste der Teufel die Niederlage eingestehen. Mit einem gewaltigen Ruck stieß die Fähre am anderen Ufer in Fährbrücke an. Der Teufel verschwand in einer Wolke aus Schwefel und Regen. Lukas sprang an Land, die weißen Kiesel fest in der Hand. Er hatte nicht nur den Fluss überquert, sondern auch sein Leben gerettet. Seither sagt man, wer in Fährbrücke am Ufer spielt, solle genau auf seine Züge achten.
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Vor der Errichtung der festen Brücke um 1850 existierte an der Zwickauer Mulde eine Gierseilfähre. Die Fähre war an einem langen Gierseil befestigt, das oberstromig im Flussbett oder an einem Mast verankert war. Durch Schrägstellen der Fähre zum Strom (den „Gierwinkel“) drückte das fließende Wasser das Boot wie einen Drachen im Wind an das jeweils gegenüberliegende Ufer.

