Garfield und die Maus
Die Fabeln von Äsop sind eine reiche Quelle für neue Märchen. Für dieses Märchen habe ich mich von der Fabel „Löwe und Maus” inspirieren lassen. Die Handlung wurde in einen kleinen Garten am Rande eines Dorfes verlegt.
Opa Walter saß in seinem alten Gartentuhl und stellte die Kaffeetasse zur Seite. „Hört mir jetzt gut zu“, brummte er mit seiner tiefen, rauen Stimme und rückte dabei seine Brille zurecht. „Ihr denkt wohl, die Großen und Starken hätten immer das Sagen auf dieser Welt. Aber ich erzähle euch jetzt von einem stolzen Kater namens Garfield, der eines Besseren belehrt wurde. Es war an einem heißen Maitag, als die Sonne schon so richtig auf das Dach der Gartenlaube knallte und alles, was Beine hatte, lieber im Schatten blieb …“
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Garfield, ein stattlicher Kater mit glänzendem Fell, schlummerte im Schatten direkt vor der Gartenlaube, als eine unvorsichtige Maus zwischen den Blumentöpfen hindurchhuschte. Mit einem blitzschnellen Prankenhieb hielt er das zitternde Tierchen fest. „Bitte, Herr Garfield“, fiepte die Maus, „verschonen Sie mein kleines Leben! Wer weiß, ob ich Ihnen nicht eines Tages dafür danken kann!“ Garfield schnaubte amüsiert über die Vorstellung, dass ein so winziges Geschöpf ihm nützlich sein könnte. Doch in einem Moment der Gutmütigkeit hob er die Pfote und ließ die Maus laufen. Wenig später hallte ein klägliches Miauen durch den Garten. Garfield hatte sich bei der Jagd in einem dichten Vogelschutznetz verfangen, das über dem Strauch neben der Laube hing. Er wand sich vergeblich in den feinen, starken Maschen. Die kleine Maus, die das Klagen hörte, eilte herbei und begann ohne zu zögern, die zähen Fäden mit ihren scharfen Zähnen zu durchnagen. Faser um Faser gab nach, bis der stolze Jäger schließlich befreit war. Beschämt und dankbar erkannte Garfield, dass selbst der Geschickteste manchmal auf die Hilfe des Allerkleinsten angewiesen ist – und dass Gnade niemals verschwendet ist.



