In einer Welt, in der Häuser dicke Mäntel aus weißem Schaumstoff tragen, um die Wärme einzusperren, entdeckten die gefiederten Bewohner des Viertels ein Paradies der Bequemlichkeit.

Während die Menschen drinnen über Heizkosten debattierten, begannen draußen die Schnabelarbeiten an einer ganz neuen Art von Architektur.

Die Vögel liebten die neue Fassade der Häuser. Die dicke Styroporverkleidung war weich, warm und ließ sich mit wenigen Schnabelhieben in luxuriöse Maisonette-Wohnungen verwandeln. Meisen, Spatzen und Rotschwänzchen bohrten tiefe Tunnel in die Dämmung und polsterten ihre Kinderstuben
mit feinstem Moos. Doch bald machte ein beunruhigendes Gerücht die Runde: „Die Menschen wollen die Fassade reparieren!“ Unruhe machte sich breit, bis der alte Rabe, der als weisester Berater im Viertel galt, sich auf einer Dachrinne niederließ. „Keine Sorge“, krächzte er gelassen, „wartet ab.
Die Sanierungsarbeiten beginnen erst im Herbst. Da liegen wir längst am Strand im Süden und lassen uns die Sonne auf die Federn scheinen.
Sollen sie ruhig hantieren.“ Beruhigt zogen die Vögel ihre Jungen groß, während der Styroporschnee leise in den Vorgarten rieselte.

Der Sommer war heiß, und unter der dicken Dämmung schwitzten die Menschen, während die Vögel in ihren klimatisierten Styropor-Suiten die kühle Brise genossen. Die Jungen waren prächtig gediehen und bereits flügge, als die Vögel eine Versammlung abhielten. Sie waren so zufrieden mit dem „Upgrade“ ihrer Immobilien, dass sie beschlossen, sich erkenntlich zu zeigen. Gemeinsam verfassten sie ein offizielles Dankschreiben an die örtliche Sanierungsfirma.
„Sehr geehrte Herren der Dämmkunst“, diktierte der Rabe, „wir danken für die kostenlose Fundamentstärkung. Selten haben wir so humorvoll und unnütz verbautes Material gesehen, das uns so viel Komfort bietet. Wir freuen uns schon auf die nächste Schicht Kunststoff, damit unsere Wohnungen noch tiefer werden.“ Mit einem Klecks Beerensaft besiegelt, ließen sie den Brief direkt vor die Tür des Bauleiters fallen.

Als die Vögel im nächsten Frühjahr aus dem Süden zurückkehrten, trauten sie ihren Augen nicht. Jedes einzelne Nestloch war mit einer grauen,
steinharte Masse verschlossen worden. Entsetzte Rufe hallten durch die Straße. Doch der Rabe landete mit einem stolzen Hüpfer auf einem der zubetonierten Löcher.
„Wunderbar!“ rief er. „Seht ihr das nicht? Die Sanierungsfirma hat uns nicht ausgesperrt, sie hat investiert!
Unsere Häuser haben jetzt eine solide Bodenplatte aus feinstem Beton.“ Die Vögel hielten inne und betrachteten die grauen Flecken.
Es war tatsächlich sehr stabil. Begeistert begannen sie, ihre neuen Nester direkt oberhalb der Betonsockel in das verbliebene Styropor zu hämmern.
„Endlich eine solide Ausführung“, zwitscherte eine Meise, „da wackelt nichts mehr, wenn der Wind pfeift!“

Styropor