bei meiner Suche nach neuen Ideen für meine Geschichtenlieder bin ich auf das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland” von Theodor Fontane gestoßen. Auf dessen Grundlage habe ich die nachfolgende Erzählung und dieses Geschichtenlied erstellt. Es wurde in unsere heutige Zeit übertragen und handelt – wie nicht anders zu erwarten – von einem Apfelbaum.

Am grauen Rand der wachsenden Stadt, wo der Asphalt unaufhaltsam gegen das letzte Grün drückt, liegt ein vergessener Garten.
Inmitten von Bauzäunen und staubigen Straßen steht dort ein uralter Apfelbaum, dessen Äste so schwer von gelben Früchten hängen, dass sie fast den Boden berühren. Es ist ein Ort, der nicht in die moderne Zeit zu passen scheint, bewacht von einem alten Mann, der einen ganz eigenen Plan für die Zukunft seines Erbes verfolgt.

Der alte Gärtner saß jeden Tag auf einer morsch gewordenen Bank direkt am Feldweg.
Sein Garten war eine Wildnis aus Farnen und Moos, doch der Apfelbaum in der Mitte leuchtete wie ein Juwel.
Wenn die Schulkinder am Nachmittag vorbeikamen oder die Arbeiter von den nahen Baustellen müde nach Hause schlenderten, winkte er sie herbei.
„Nicht vorbeigehen!“, rief er mit brüchiger Stimme. „Greift zu, die Äpfel sind reif und wollen gegessen werden.“ Er nahm kein Geld, lehnte jeden Cent ab und freute sich nur am Schmatzen und den frohen Gesichtern der Kinder. Für ihn war der Baum kein Besitz, sondern ein Versprechen an die Vorbeiziehenden.

Doch im Schatten der Gartenlaube stand der Sohn des alten Mannes und blickte mit finsterer Miene auf das bunte Treiben. Er sah keine Früchte, er sah nur Quadratmeterpreise. „Vater“, sagte er eines Abends, während er ungeduldig mit einem Zollstock spielte, „dieser Garten ist pures Gold wert. Die Stadt braucht Platz. Wenn wir den alten Baum fällen und den Boden ebnen, können wir hier Häuser bauen, die bis in den Himmel ragen. Warum verschenkst du den Reichtum an Fremde,
während wir auf einem Vermögen sitzen?“

Der Alte lächelte nur still, strich über die raue Rinde des Baumes und bat seinen Sohn um einen letzten Gefallen: „Wenn ich gehe, mein Sohn, dann lege mir einen dieser Äpfel direkt in meine Hand, bevor man mich zur Ruhe bettet.“

Als der Gärtner schließlich verstarb, zögerte der Sohn nicht lange. Er erfüllte den letzten Wunsch nur aus Pflichtgefühl, doch kaum war die Erde festgetreten, bestellte er die Bagger. Die Pläne für das „Bauerwartungsland“ waren gezeichnet,
der alte Baum wurde gerodet. Doch der Boden war tückisch und voller Quellen; die Bauarbeiten verzögerten sich Jahr um Jahr durch Bürokratie und Wasser im Fundament.


In dieser Zeit geschah das Wunder: Genau dort, wo das Grab des Alten lag, drückte ein kräftiger Schössling durch den harten Boden. Er wuchs schneller als jeder Beton trocknen konnte. Jahre später, als der Sohn längst aufgegeben hatte, stand dort ein neuer Baum – direkt am alten Feldweg. Und wenn die Leute heute dort vorbeigehen, flüstert der Wind in den Blättern: „Nimm dir einen, er ist für dich.“

Lied vom Bauerwartungsland:

„Musik erstellt mit https://www.flowmusic.app/

Bauerwartungsland
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